Trash in Gold verwandelt

Gestern hatte ich die Möglichkeit die Berliner NRO „Trial and Error“ Kulturlabor kennenzulernen. Dorthin hat mich Runa AK Juhanisdotter geführt: meine neue schwedische Bekannte mit einem starken politischen Engagement nur mit Recyclingmaterialien zu arbeiten. Am gestrigen Abend wurde gestrickt. Die meisten mussten ganz neu anfangen. Ich habe tunesisch gehäkelt, was hierzulande STRÄKELN heißt. In der gemütlichen Runde mit unterstrichen internationalem Charakter sind wunderbare Kreationen entstanden. Auf dem Tisch lagen halbe Teile von alten Kleidern, ein Kinderlaken, 6 verschiedene Knäuel Wolle, eine Sporthose, Knöpfe, Nadeln und Faden. Der einzige Mann in der Runde wollte unbedingt einen Topflappen häkeln, also habe ich ein bisschen geholfen.

Runa hat wunderschöne Fotos von den Produkten gemacht.

Ich wagte mich diesmal an einen Armband im Stil von Runa. Auf dem Artikelfoto trägt ihn ein junger Mann.

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Ich könnte schwören, dass manche Kreationen nur unter gewissen Bedingungen entstehen können. Dieses Armband hätte sonst nie die Chance gehabt, unter meinen Händen geboren zu werden. Es ist ein Produkt des Abends und der besonderen Atmosphäre. Auf jeden Fall bekam ich Lust auf mehr: mehr recyclen, mehr in einer kreativen Gruppe zusammenarbeiten, mehr zusammenkommen, mehr schöne und ausgefallene Produkte kreieren. Klingt fast wie eine Versprechung an das neue Jahr!

Was habt ihr euch Neues vorgenommen? Oder braucht ihr erst einmal RUHE!

Gute und entspannte Nacht,

eure Bennelle

Neues Bolero und Fashion Exchange

Es bleibt nicht viel Zeit zu schreiben, wenn man sich auf konkrete Messen und Veranstaltungen vorbereitet. Vergangenes Wochenende war Bennelle beim Fashion Exchange in Berlin dabei. Das Motto der Veranstalter hatte sich von „Mode von und für Frauen“ auf „Schnittstelle für Modedesigner, Kunden und Sponsoren“ geändert. Für die teilnehmenden jungen Designer ist daraus vor allen Dingen „Kontaktpflege“ geworden.

Ich bin ein positiv denkender Mensch und stufe die Kontaktpflege ganz hoch ein, also war das Event Gewinn bringend. Aus diesem Grund möchte ich euch eine Designerin vorstellen, die auf dem Beitragsbild mein neues Bolero trägt: Antoniya Ivanova.

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Sie war meine Nachbarin beim Fashion Exchange und ich konnte ihre schwarz-weiß-graue Winterkleidung betasten und bewundern. Warum betasten? Weil Antoniya ganz spezielle Stoffe für ihre Kollektionen auswählt, die sich wunderbar anfühlen.

Mehr Bilder vom Event könnt ihr auf meiner Facebook-Seite sehen.

Bald melde ich mich wieder und wünsche euch bis dahin innere Leuchten!

Eure Bennelle

Inspiration aus Italien

Internet ist eine unerschöpfliche Quelle für Entdeckungen und Inspirationen. So, ganz zufällig, bin ich auf die Kreationen des italienischen Modehauses Missoni gestoßen. Westwing home and living versteigert  auf einer Auktion (nur bis heute abend) einige einmalige Textilien und Einrichtungsstücke der Modedynastie aus Italien. Hier erreicht ihr das aktuelle Angebot und darunter dieses bezaubernde Bodenkissen:

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Die Missoni-Home-Linie verzaubert durch die tollen Farben und Motiven und das obligatorische Zick-Zack-Muster. Mich inspiriert der Teppich auf diesem Bild zu neuen Projekten:

Eine kurze Suche hat mich zu  außergewöhnlich schönen Kleidungsstücken geführt, die richtig gestrickt und gehäkelt sind. Ich entdeckte sie in der Herrenkollektion 2014 des Hauses Missoni.

La famiglia: Großmutter und Firmengründerin Rosita Missoni führt heute ein Unternehmen, in dem alle Familienmitglieder zusammenarbeiten. Sie hat mit ihrem Mann vor vielen Jahren ein Strickwarengeschäft aufgemacht und später eigene Strick- und Häkeldesigns entworfen. Heute ist das Unternehmen nicht nur in der Modebranche ein Name, sondern zunehmend im Bereich der Einrichtung.

Ein Familienunternehmen mit einem Motto: Lebensfreude verbreiten. Mehr von der Unternehmensphilosophie erfahrt ihr in diesem Videointerview mit der kreativen Direktorin der Firma. Ihr eigenes Credo ist „Das Leben gehört den Mutigen!“

Die offizielle Seite des Unternehmens könnt ihr hier besuchen. Dort kann man auch die bunte Mädchenkollektion 2015 mit mutigen Strickwesten und Taschen bewundern.

Eine schöne Inspirationsquelle ist auch die Bikinikollektion Sommer 2014.

Ich wünsche euch einen schönen Abend, voller Inspiration und Freude,

eure Bennelle

 

Impressionen aus fashion exchange 2014

Wieder ist ein Marktwochenende vorbei. Für kleine und unabhängige Labels ist es sehr schwer den passenden Messeort und -tag zu finden, der viel Publikum anlockt und wo es richtig zur Sache geht. Fashion exchange war diesmal zweitägig…. mit einem kurzen Presale am 8.3. und dem eigentlichen Verkaufstag am 9.3. Es war richtig entspannt am Vorabend und ich fand es besonders schön, die KollegInnen kennenzulernen, ohne Stress  mit ihnen zu plaudern. Presale war eigentlich das falsche Wort dafür.

Mein Stand hatte zum ersten Mal eine klare Linie, da ich auf alles verzichtete, was nicht Spitzenschmuck war.

 

Nur zwei BH-Tops habe ich zum Vorzeigen mitgenommen und 5 Minuten vor Marktschluss wurde der Schwarze weggeschnappt. Heute häkle ich noch das Höschen dazu.

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Es war richtig spannend, die Reaktion der Kunden auf den Spitzenschmuck zu beobachten. Wenige haben gekauft, aber viele mochten die „süßen“ Teile und gaben mir Auftriebswind für neue Kreationen.

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Schmuck war auf dem fashion exchange reichlich vertreten. Ich habe einige der Stände fotografiert, damit ich die Vielfalt auffangen konnte.

Meine Nachbarin war Kati Schön – schön in jeder Beziehung – von dem Standaufbau über ihre filigranen Arbeiten bis zur Kati selbst. Alles perfekt!

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Es gab für jeden Geschmack etwas.  Ich mochte den üppigen Stil der aus Draht gehäkelten Colliers mit vielen Perlen an diesem Stand:

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Aber am meisten beeindruckt hat mich die Kunst von Alena. Sie hat mich beim Presale besucht und meinte, wir würden ähnlich arbeiten. Ich konnte mir kaum vorstellen, wie aus Plastik etwas Spitzenähnliches entstehen kann. Meine Überraschung war groß, als ich ihre Arbeiten erblickte:

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Luftig, grafisch sauber, dreidimensional, fein, stilvoll.  Einfach klasse! Auch der Standaufbau von Alena war sehr kreativ.

 

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Voll mit Ideen und Zuversicht starte ich in die neue Woche und euch allen wünsche ich den Frühling im Herzen.

Eure Bennelle

 

 

Textilles und Menschliches aus dem handmade supermarket

Mein zweiter Markttag als Ausstellerin ist vorbei und ich versuche heute Revue zu passieren und zu verschnaufen. Es war so schön, mit echten Menschen zu sprechen, Menschen aus allen möglichen Ländern, Kulturen und Hintergründen! Online zu verkaufen ist sicher und bequem – du musst nichts packen, schleppen, ordnen, Stand aufbauen, mit den örtlichen Gegebenheiten Vorlieb nehmen und versuchen alles so gut wie möglich an den Mann (die Frau, das Kind) zu bringen. Und es war ein Wunder, dass ich ein Engel an meiner Seite hatte, eine strahlende, erfahrene FIlzerin mit dem Herz auf dem rechten Fleck: Pavan. Sie teilte mit mir den Stand und brachte alles, was ich nicht hatte: Erfahrung, Ruhe, Ordnung, Erfindungssinn und Displays. Ich, meinerseits, hatte die Nacht davor nicht geschlafen, weil eine Tasche nicht fertig werden wollte. Also war ich totmüde, Chaos pur und völlig aus dem Konzept geraten. Irgendwann kamen schon Kunden und ich war am Pinnen und Auspreisen. Als alles dann stand, ging in mir die Sonne auf. Und am liebsten haben sich mit meinem Stand die kleinen Mädchen beschäftigt. Da ich meine Sonnenblumen als Demonstration des Gewerbes am Ecktischchen gehäkelt habe, kamen die Neugierigen und stellten Fragen.

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Dieses italienische Mädchen wollte wissen, wie man im Kreis häkelt. Wir übten zusammen das Vernähen und machten aus einer feinen, kleinen Sonnenblume einen Ring. Passt er nicht wie angegossen?

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Und der charmanten Eliza stand dieses weiße Halsband gar wunderbar:

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So sah also mein Stand aus:

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Pavan ist so genial: sie spannte einen Regenschirm an der gegenüber liegenden Ecke und pinnte meinen Fußschmuck daran. Die meisten Besucher dachten, es wären knappe Bikini. Kein einziger wusste etwas von Barfußsandalen.

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ich brachte drei meiner aufwendigsten Teppiche mit: zwei hängen hinter mir auf dem Bild. Beim Einräumen nach dem Marktschluss habe ich in der Eile alle drei Teppiche an der Leine vergessen. Aufgefallen war mir der Verlust erst, nachdem ich nach Hause kam. Gott sei Dank wurden sie von den Veranstaltern in Sicherheit gebracht. Heute hole ich sie ab.

Und das ist der Stand von Pavan. Ihr Shop auf Dawanda heißt „sissis order“ und sie ist eine wahre Meisterin des Nassfilzens. Alles kann sie aus der feinen Merinowolle zaubern: von Blumen und Handytäschchen bis aufwendigen Schmuck, atemberaubende Schals aus Seide oder Baumwolle oder Wandbehänge und Portraits.

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Am Nachmittag machte ich die Runde durch den Markt und entdeckte diese unwiderstehliche gehäkelte Torte.

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Die Dame im Hintergrund heißt  Jelena Zak. Ihre farbenfrohen gehäkelten Süßigkeiten und Applikationen sind auf dem  Dawandashop „Jelena-1“ zu bewundern.

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Dieser Schmuck entsteht unter den geschickten Hände von Elisabeth Fuckel mit dem Label KLÜNCK (aus Klunkel und Glück).

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Sie verbindet verschiedene Materialien genauso wie Nostalgisches und Futuristisches.

Die Produkte auf dem nächsten Bild sind alle von Emma Wood selbst gewebt.

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Emma kommt aus England und hat einen tollen Farbensinn. Alle ihre Produkte entstehen aus dieser feinen Merinowolle:

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Auf ihrer Homepage www.emma-wood.com habe ich ein stilsicheres  Männerset entdeckt:

Eine interessante Entdeckung war für mich die Textilpuppenwelt von Anja Haag aus Hamburg.

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Ihr Label heißt „meinePuppe„.  Wir unterhielten uns über die Charaktereigenschaften, die eine Puppe verkörpern darf.  Je weniger spezifisch eine Puppe angelegt ist, desto mehr Fantasie kann das Kind in sie einfließen lassen.

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Mich interessierten die Materialen, aus denen die Haare gemacht sind.  Besonders gelungen fand ich die Haare des Jungen in der Mitte. Sie sind aus Mohair entstanden. Unglaublich!

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Diese ausgefallenen Röllchen stammen von „Montagehalle-Berlin„. Sie sind keine Zpagetti und kein Recotton, sondern geschnitten aus neuen Stoffbahnen. Aus diesem Grund ist eine breite Pallette an lebendigen Farben vorhanden. Bombensicher.

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Und das Beste zuletzt: ich wollte unbedingt die Arbeit von Packattack erleben und war wirklich beeindruckt. Fantasievolle Taschen, nach Kundenwunsch genäht: mit allem Drum und Dran, mit einer Nähmaschine, die alles packt, eine aus schwerem Eisen.

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Die Nähmaschine hat sogar einen Namen: „Barbarella“. Was man auf dem Bild sieht ist eigentlich das Innenleben einer Tasche. Ich dachte, es sei das Gesicht, so ausgefallen patchworkartig. Aber nein. Das Ganze musste behämmert, zugenäht, mit einem heißen Lötgerät das Gummi abgeschnitten und umgedräht werden. Eine Hammerarbeit.

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Entstanden ist eine einzigartige Tasche mit einer Spinnwebe, mit einem Handytäschchen und noch einer mittelgroßen Innentasche drin.

Hier sind weitere Beispiele von den „Taschen gegen alles“:

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Ja, hier wurde eifrig gearbeitet und … gebastelt. Für das Bastelt war DaWanda zuständig:

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Die Erwachsenen waren wohl eifriger als die Kinder… und tief konzentriert bei der Arbeit.

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Irgendwann hörten wir Glocken…

Es war ein ereignisreicher Tag.

Eure Bennelle

Feuer

Für die Kunst gibt es kein Alter – man kann auch mit 80 seine schöpferische Kraft entdecken und zum Leuchten bringen. Ich hatte vor vielen Jahren eine Reportage über eine russische Oma irgendwo weit im Norden gesehen, die mit 83 angefangen hat naive Bilder zu malen. Ihre Welt war völlig in Ordnung: zufrieden, rund und bunt. Ist das nicht sie schönste Art seine weisen Tage zu verbringen?

Der Quilt auf dem Titelbild stammt von Terry Grant. Sie ist 67  und hat die Textilkunst erst vor 10 Jahren für sich entdeckt. Mit diesem Werk nimmt sie an der Ausstellung „Elemente“ im Cultural Arts Center in Oregon, Northwest, USA teil. Sie erzählt in einem Interview, dass die Natur sie täglich aus dem Fenster grüßt, während sie in ihrem kleinen Studio über zwei Nähmaschinen herrscht und Musik hört. Bei dem Thema „Elemente“ musste sie an das Lagerfeuer denken, das sie so liebt. An die Bewegung der Flammen gen Himmel – in ihren verschiedenen Formen und Farben, flatternd in der Dunkelheit wie Schmetterlinge. Auf dem Quilt hat sie diesen Zauber  der Glut und des hitzigen Lichts wunderbar eingefangen – es ist kein Stillleben, das sie erschaffen hat, sondern ein höchst lebendiges Gemälde, voller Bewegung, Farben und Tiefe.

Auch Elizabeth Bamberger, ursprünglich aus England, entdeckt ihr Talent erst spät. Die 71-Jährige bildet auf ihrem Werk die Felsen in der Wüste ab. Mit Stoff und Faden. Ihre Striche sind weich und großzügig.

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Ich hätte gerne einen näheren Blick auf diesen Quilt geworfen, um die winzigsten Details entdecken zu können, die die Farben so wunderbar miteinander vermischen, dass die Grenzen zwischen den einzelnen Stofffetzen einfach verschwinden.

Ich hege höchsten Respekt vor Textilkünstlern, vielleicht weil ich mich in Details eher verlieren würde. Und immer wieder muss ich den Hut vor der menschlichen Fähigkeit ziehen, Wunder zu erschaffen – mit Inspiration, Stoff und zwei flinken Händen.

Tunikas aus Omas Spitze

Es gibt so viel Schönes auf der Welt und ich höre nicht auf zu Staunen. Heute habe ich diese Künstlerin entdeckt, die aus Omas Spitzendecken Tunikas herstellt.

Luc's Southwest Summer Sunset by Luv Lucy

Sie verbindet die einzelnen Kreise zu einem Fantasiegebilde und färbt per Hand ausgewählte Partien.

Lucy's Victorian Pansies Crochet Tunic by Luv Lucy

Donna Ramirez besitzt ein Vintage-Laden und kommt an genug Spitzendecken heran. Um die Tunikas zu formen, häkelt sie die Verbindungen und manche der Borden selbst. Ich mag ihre dezente Farbenwahl:

Und hier sehen wir zarte Pastelltöne mit Veilchenmotiven:

Luv Lucy Plum Pansies Crochet Top

Diese und andere Spitzeninspirationen könnt ihr in Donnas Shop „The Vingage Raven“ auf Etsy  bekommen.