Amigurumis aus dem Gefängnis

In letzter Zeit wimmelt es so an Berichten über Yarnbombing und gemeinnützigem Häkeln und Stricken, aber heute habe ich mit Bewunderung einen Artikel gelesen, der von Insassen im Staatgefängnis Folsom in den USA erzählt, die Amigurumis, Schals und Decken für Menschen in Not häkeln.

Zu dem Artikel gibt es eine kurze Videoreportage: sehr empfehlenswert. Die Amigurumis, die ich im Video zu Gesicht bekommen habe, waren mehr als beeindrückend. Und alles wird einzig und allein von Männern hergestellt, die bis vor Kurzem nicht wussten, wie man eine Häkelnadel in der Hand hält.

Häkeln und Stricken bringt den Männern hinter den kahlen Wänden viel: eine sinnvolle Beschäftigung, einen guten Zweck, eine neu entdeckte Weichheit und veränderte Einstellung gegenüber der Umwelt draußen.

Eure Bennelle

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Boho Schmuck mit Schwung

Ich habe heute die Nachricht bekommen, dass mein Schmuck auf einer Brücke gesichtet wurde: leicht und beschwingt, von einer jungen Frau getragen, die genau das verkörpert, was ich durch meine Arbeit vermitteln möchte: Authentizität!

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Patricia steht vor und hinter der Kamera und trotzt durch ihre Art der allgemeinen Verunsicherung. Sie trägt meinen weinroten Hand- und Fußschmuck in seiner Herbstauflage aus einer Woll-Acryl-Mischung und eine der vielen Varianten von Ohrringen, die ich aus Plauener oder Vintagespitze ausschneide und zurecht verbinde.

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Die Fotos von Patricia könnt ihr auf ihrem Blog: http://spitzenschuhe.blogspot.de/2013/11/dream-on.html betrachten und bewundern.

Den Fußschmuck und die Ohrringe findet ihr auf meinem DaWanda-Shop.

Einen Boho-Herbst-Gruß schickt euch

eure Bennelle

 

Textilles und Menschliches aus dem handmade supermarket

Mein zweiter Markttag als Ausstellerin ist vorbei und ich versuche heute Revue zu passieren und zu verschnaufen. Es war so schön, mit echten Menschen zu sprechen, Menschen aus allen möglichen Ländern, Kulturen und Hintergründen! Online zu verkaufen ist sicher und bequem – du musst nichts packen, schleppen, ordnen, Stand aufbauen, mit den örtlichen Gegebenheiten Vorlieb nehmen und versuchen alles so gut wie möglich an den Mann (die Frau, das Kind) zu bringen. Und es war ein Wunder, dass ich ein Engel an meiner Seite hatte, eine strahlende, erfahrene FIlzerin mit dem Herz auf dem rechten Fleck: Pavan. Sie teilte mit mir den Stand und brachte alles, was ich nicht hatte: Erfahrung, Ruhe, Ordnung, Erfindungssinn und Displays. Ich, meinerseits, hatte die Nacht davor nicht geschlafen, weil eine Tasche nicht fertig werden wollte. Also war ich totmüde, Chaos pur und völlig aus dem Konzept geraten. Irgendwann kamen schon Kunden und ich war am Pinnen und Auspreisen. Als alles dann stand, ging in mir die Sonne auf. Und am liebsten haben sich mit meinem Stand die kleinen Mädchen beschäftigt. Da ich meine Sonnenblumen als Demonstration des Gewerbes am Ecktischchen gehäkelt habe, kamen die Neugierigen und stellten Fragen.

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Dieses italienische Mädchen wollte wissen, wie man im Kreis häkelt. Wir übten zusammen das Vernähen und machten aus einer feinen, kleinen Sonnenblume einen Ring. Passt er nicht wie angegossen?

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Und der charmanten Eliza stand dieses weiße Halsband gar wunderbar:

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So sah also mein Stand aus:

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Pavan ist so genial: sie spannte einen Regenschirm an der gegenüber liegenden Ecke und pinnte meinen Fußschmuck daran. Die meisten Besucher dachten, es wären knappe Bikini. Kein einziger wusste etwas von Barfußsandalen.

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ich brachte drei meiner aufwendigsten Teppiche mit: zwei hängen hinter mir auf dem Bild. Beim Einräumen nach dem Marktschluss habe ich in der Eile alle drei Teppiche an der Leine vergessen. Aufgefallen war mir der Verlust erst, nachdem ich nach Hause kam. Gott sei Dank wurden sie von den Veranstaltern in Sicherheit gebracht. Heute hole ich sie ab.

Und das ist der Stand von Pavan. Ihr Shop auf Dawanda heißt „sissis order“ und sie ist eine wahre Meisterin des Nassfilzens. Alles kann sie aus der feinen Merinowolle zaubern: von Blumen und Handytäschchen bis aufwendigen Schmuck, atemberaubende Schals aus Seide oder Baumwolle oder Wandbehänge und Portraits.

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Am Nachmittag machte ich die Runde durch den Markt und entdeckte diese unwiderstehliche gehäkelte Torte.

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Die Dame im Hintergrund heißt  Jelena Zak. Ihre farbenfrohen gehäkelten Süßigkeiten und Applikationen sind auf dem  Dawandashop „Jelena-1“ zu bewundern.

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Dieser Schmuck entsteht unter den geschickten Hände von Elisabeth Fuckel mit dem Label KLÜNCK (aus Klunkel und Glück).

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Sie verbindet verschiedene Materialien genauso wie Nostalgisches und Futuristisches.

Die Produkte auf dem nächsten Bild sind alle von Emma Wood selbst gewebt.

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Emma kommt aus England und hat einen tollen Farbensinn. Alle ihre Produkte entstehen aus dieser feinen Merinowolle:

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Auf ihrer Homepage www.emma-wood.com habe ich ein stilsicheres  Männerset entdeckt:

Eine interessante Entdeckung war für mich die Textilpuppenwelt von Anja Haag aus Hamburg.

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Ihr Label heißt „meinePuppe„.  Wir unterhielten uns über die Charaktereigenschaften, die eine Puppe verkörpern darf.  Je weniger spezifisch eine Puppe angelegt ist, desto mehr Fantasie kann das Kind in sie einfließen lassen.

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Mich interessierten die Materialen, aus denen die Haare gemacht sind.  Besonders gelungen fand ich die Haare des Jungen in der Mitte. Sie sind aus Mohair entstanden. Unglaublich!

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Diese ausgefallenen Röllchen stammen von „Montagehalle-Berlin„. Sie sind keine Zpagetti und kein Recotton, sondern geschnitten aus neuen Stoffbahnen. Aus diesem Grund ist eine breite Pallette an lebendigen Farben vorhanden. Bombensicher.

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Und das Beste zuletzt: ich wollte unbedingt die Arbeit von Packattack erleben und war wirklich beeindruckt. Fantasievolle Taschen, nach Kundenwunsch genäht: mit allem Drum und Dran, mit einer Nähmaschine, die alles packt, eine aus schwerem Eisen.

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Die Nähmaschine hat sogar einen Namen: „Barbarella“. Was man auf dem Bild sieht ist eigentlich das Innenleben einer Tasche. Ich dachte, es sei das Gesicht, so ausgefallen patchworkartig. Aber nein. Das Ganze musste behämmert, zugenäht, mit einem heißen Lötgerät das Gummi abgeschnitten und umgedräht werden. Eine Hammerarbeit.

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Entstanden ist eine einzigartige Tasche mit einer Spinnwebe, mit einem Handytäschchen und noch einer mittelgroßen Innentasche drin.

Hier sind weitere Beispiele von den „Taschen gegen alles“:

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Ja, hier wurde eifrig gearbeitet und … gebastelt. Für das Bastelt war DaWanda zuständig:

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Die Erwachsenen waren wohl eifriger als die Kinder… und tief konzentriert bei der Arbeit.

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Irgendwann hörten wir Glocken…

Es war ein ereignisreicher Tag.

Eure Bennelle

Stop-Motion-Werbung

Ich wünschte mir, ich wäre im Stande selbst ein schönes, kurzes, aussagekräftiges und bildgewaltiges Video zu produzieren, das meine Arbeiten auf eine eindrucksvolle und vielleicht auch witzige Art und Weise präsentiert. Ich bin schon lange auf der Suche nach jemandem, der das für mich macht. Ich habe sogar die Fünfer- und Zehneranbieter auf dem amerikanischen und deutschen Markt durchstöbert, in der Hoffnung jemanden zu sichten, der ein ähnliches und ansehnliches Angebot unterbreitet.

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Aber heute Abend habe ich etwas gesehen, das mir Mut macht. Eine wunderschöne und reizende Videowerbung des Buches „Crochet at Play“. Ihre Autorin Kat Goldin ist sehr erfolgreich in der englischsprachigen Welt. Sie häkelt, strickt, näht, fotografiert, schreibt tolle Bücher und ist Preisträgerin des MAD Blog of the Year und Best Photography Blogs.  Auf Etsy verkauft sie nicht Häkelware, sondern nur Häkelmuster, also Designs.

Kuckt euch unbedingt das Video an! Vielleicht inspiriert es auch euch zu neuen Ideen in eurer eigenen Werbung!

Männer häkeln Mützen

Auf der Suche nach Erfolgsgeschichten werde ich von denselben überrumpelt. Ein Hero der Mützen-Häkeln-Szene ist Oli (alias Oliver Diestelmann), der sich selbst bei meinem Blog sichtbar gemacht hat. Ich stelle ein Bild von seinem Blog hier rein.

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Oli häkelt mit einem Countdown und hat ein Motto, dass einfach unwiderstehlich ist:

First come – First serve!

Seine Mützen haben eine einzige Machart, doch viele Farben und variierende Größen. Immer, wenn eine fertig ist, und sie ist garantiert einzigartig, wird sie wie ein frisches Brötchen von den Händen des männlichen Häkeltalents gerissen. Ja, gerissen.

Mit dem Häkeln angefangen hat der studierte Onlineredakteur, als er sich eines Tages  in schöne Wolle verliebte. Er schaute sich bei Youtube eine Häkelanleitung an und häkelte sich seine erste Mütze. Die hat er dann prompt auf Facebook eingestellt und sein Netzwerk fand sie zum Beißen. So war die Idee geboren, Mützen zu häkeln und sie auf seinem Blog zu verkaufen.

Es ist unverkennlich, dass es sich bei Oli um einen Naturtalent handelt, denn er hat keine Ahnung, wie die Häkelmuster und -maschen heißen. Seine Stäbchen nennt er „Doppelmaschen“, aber wen kümmert das schon? Er hat einfach Riesenspaß beim Häkeln. Und das ist wunderbar.

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Oli, ich wünsche dir viel, viel Erfolg und ein bisschen mehr Inhalt in den nächsten Tutorials.

Und wenn jemand doch wissen will, wie man beim Häkeln eine Pause einlegt (was geübt sein soll), soll er sich dieses Video nicht entgehen lassen.

Häkeln als Kunst – flächendeckend!

Ich dachte, ich bin vom Häkeln besessen. Weit gefehlt. Heute habe ich von einer Dame erfahren, die es mit dem Häkeln sehr ernst nimmt. Sie verhüllt nämlich alles in ihrem Stäbchendesign: von der ganzen Wohneinrichtung in ihrem Haus bis Einsteins Denkmal. Ihr Name ist Olek (eigentlich Agata Oleksiak). Die gebürtige Polin steht auf pink, lebt heute in den USA und ist eine anerkannte Künstlerin.

Sie wird ausgestellt und bewundert. Ihre Ganzkörper-Overalls werden in NY getragen. Interessant finde ich persönlich die verhäkelten Schuhe. Eine kleine Kostprobe sieht man in dieser Kurzreportage.

Nun, nicht jeder kann sich mit dieser Kunst identifizieren. Aber Kunst ist eben kontrovers. Und dient manchmal der Selbstdarstellung. Die neueste Aktion der schönen Blonden ist die Verkleidung eines Billboards mit der Aufschrift BOYS. Das war die heutige Nachricht, die mich auf ihre Spur gebracht hat. Ich bin gespannt auf eure Reaktionen :))

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