Amigurumis aus dem Gefängnis

In letzter Zeit wimmelt es so an Berichten über Yarnbombing und gemeinnützigem Häkeln und Stricken, aber heute habe ich mit Bewunderung einen Artikel gelesen, der von Insassen im Staatgefängnis Folsom in den USA erzählt, die Amigurumis, Schals und Decken für Menschen in Not häkeln.

Zu dem Artikel gibt es eine kurze Videoreportage: sehr empfehlenswert. Die Amigurumis, die ich im Video zu Gesicht bekommen habe, waren mehr als beeindrückend. Und alles wird einzig und allein von Männern hergestellt, die bis vor Kurzem nicht wussten, wie man eine Häkelnadel in der Hand hält.

Häkeln und Stricken bringt den Männern hinter den kahlen Wänden viel: eine sinnvolle Beschäftigung, einen guten Zweck, eine neu entdeckte Weichheit und veränderte Einstellung gegenüber der Umwelt draußen.

Eure Bennelle

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Das letzte Strickstück

Mein Kind hat heute per Zufall eine spitzfindige Animation zum Thema Stricken entdeckt: The Last Knit. Spaß und Spannung pur für alle passionierte Stricker.

Unbedingt auf Yutube anschauen: http://www.youtube.com/watch?v=M6ZjMWLqJvM

Viel Spaß und gute Unterhaltung, eure Bennelle

Boho Schmuck mit Schwung

Ich habe heute die Nachricht bekommen, dass mein Schmuck auf einer Brücke gesichtet wurde: leicht und beschwingt, von einer jungen Frau getragen, die genau das verkörpert, was ich durch meine Arbeit vermitteln möchte: Authentizität!

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Patricia steht vor und hinter der Kamera und trotzt durch ihre Art der allgemeinen Verunsicherung. Sie trägt meinen weinroten Hand- und Fußschmuck in seiner Herbstauflage aus einer Woll-Acryl-Mischung und eine der vielen Varianten von Ohrringen, die ich aus Plauener oder Vintagespitze ausschneide und zurecht verbinde.

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Die Fotos von Patricia könnt ihr auf ihrem Blog: http://spitzenschuhe.blogspot.de/2013/11/dream-on.html betrachten und bewundern.

Den Fußschmuck und die Ohrringe findet ihr auf meinem DaWanda-Shop.

Einen Boho-Herbst-Gruß schickt euch

eure Bennelle

 

Die verkleidete Brücke

Yarn Bombing ist schon reichlich bekannt, aber um neue Rekorde zu erreichen, braucht man Menschen, viele Menschen, die sich einer Initiative anschließen. Zweifelsohne wurde ein neuer Rekord aufgestellt: die Verkleidung einer ganzen Brücke!

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Für diese außergewöhnliche Installation haben 1800 fleißige Bürger mitgearbeitet. Mit den farbenfrohen Decken in den unterschiedlichsten Mustern wurden die Brüstung, Säulen und den Bogen der Andy-Warhol-Brücke in Pittsburgh bedeckt.

Wie genau man die einzelnen Teile an die Brücke gebracht hat, sieht ihr in diesem Video:

http://www.post-gazette.com/video/?bctid=2621062462001

Die Aktion „Knit the Bridge“ dauert bis 6.9.2013 und ist ein Teil des Festivals der textilen Kunst in der Stadt der vielen Brücken. Im September werden die schönen Strick- und Häkelwerke abgenommen und an Altersheimen verteilt.

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Granny Squares beim Spazierengehen erkunden, das muss man erlebt haben.

Ein höchst erfreuliches Ereignis: für die Beteiligten, für die Bewohner und die Touristen, für die Stadt und für die Garnhersteller.

Eure Bennelle

Stricken als Protest

In einer Inszenierung des Stückes „Utopia. Gesellschaft ohne Kapital?“ des Theaters 1000 Hertz klappern im Hintergrund die Schauspieler unaufhörlich mit ihren Stricknadeln.  Stricken als Protest.

„Wir sind ein riesiger Pullover, der sich auflöst“,  bekennt sich die Heldin als klammheimliche anarchische Proteststrickerin.

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Mein Freund hat Theaterwissenschaft in Erlangen studiert und hat mir erzählt, wie alle zusammengesessen haben, politisiert und diskutiert haben und alle, Männer und Frauen, ständig etwas gestrickt haben. Das war Ende der 80er Jahre. Was haben sie denn gestrickt? Schals, sagte er. Hat sie auch jemand getragen? Nein. Es gehörte einfach dazu. Protest oder Gruppenzwang?

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Auch in der Ökobewegung der 80er-Jahre stand das Stricken im Blick der Öffentlichkeit. Mit der Anti-Atom-Bewegung und den Grünen kommt Stricken wieder in Mode.

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Michael Cramer, von 1989 bis 2004 verkehrspolitischer Sprecher der grünen Fraktion, saß häufig mit Strickzeug im Plenarsaal und produzierte Pulswärmer, Babysocken, Schals, Mützen und – Pullover. Das wohl bekannteste Stück ist sein Anti-Atomkraft-Pullover, den er in seiner Zeit als Lehrer gestrickt hatte und immer noch tagtäglich trägt. Sogar in seiner jetziger Amtszeit als EU-Parlamentarier in Brüssel.

Auf der Homepage der Grünen Fraktion verspricht man uns in zwei Artikeln das Strickmuster zum Antiatompulli… Wie schade, dass das Muster war nicht mehr aufzufinden ist …

Ich besuche die Homepage von Kirsten Brodde (http://www.kirstenbrodde.de/?p=1068), der die Berliner Grünen aufgetragen haben, das Muster aus dem Pulli herauszuheben und der breiten Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen (wohlbemerkt: das Muster und nicht die Anleitung), doch da funktioniert der Link auch nicht. Die Grünen hatten anlässlich der 30-jährigen Feier ihres Bestehens einen Wettbewerb zum Thema „Wer strickt den besten Antiatompulli“ gestartet. Von den Ergebnissen des Wettbeverbs konnte ich keinen Namen erfahren und nur diese Fotos ausfindig machen:

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Die kunstvolle modische Umsetzung des Themas hat das Label Kirsten Brodde selbst geschaffen. Hier ist die damenhafte Variation des Antiatompullis:

Natürlich sollte dieser käufliche Pulli auch 100% ökologisch rein sein. Kirsten schreibt dazu „Es gibt nur ein Stricklabel in diesem Land, was einen so eigenen Stil hat wie das von Carolin Ermer-Graening. Was in Berlin zu Hause ist und absolut konsequent in puncto Ökologie und Ethik. Seit 2006 gibt es caro e. “

Heute ist Stricken für Männer  im Plenarsaal wieder in, wie dieser Schnappschus vom Grünen Parteitag in Erfurt beweist:

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Die Piraten , schließen sich dieser Tendenz auch an. Beachtet dabei die Vielzahl an verschiedenfarbigen Knäueln im geöffneten Wollkoffer! Anke Domscheit-Berg strickt einen kunterbunten Schal.

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Einige Parteikolleginnen sitzen neben ihr und tun es ihr gleich:

Piraten Parteitag

Protest, aber nett

Die Piraten erinnern in vielen Punkten an die frühen Grünen. Dies spiegelt sich nicht zuletzt optisch wieder: Das unangepasste Äußere in den Parlamenten ist ein Statement – Wollpullis, Sonnenblumen und Latzhosen bei den Grünen, Laptops, Blaumänner und Trainingsjacken bei den Piraten.

Auf dem Parteitag in Bochum rief Anke Domscheit-Berg zum Stricken auf: „man kann übrigens alles umstricken/-häkeln, Stuhlbeine, Stecker, Stehmikrofone, Gerueste, Gelaender“.

Wie wahr, aber verschwindet auch der Rost unter dem Häkelkleid?